Katharina Dröge ist Bundestagsabgeordnete und die Vorsitzende der Bundestagsfraktion der Grünen, hat ihren Hauptwohnsitz aber in Köln. Auf dem „TURN UP IN CGN“-Fest auf dem Kalker Kulturhof am Freitag, dem 05.09.2025, haben wir die Politikerin interviewt und ihr Fragen zu ihrem Leben als Abgeordnete, aber auch zu aktuellen politischen Entwicklungen gestellt. Hier lest ihr ihre Antworten.
theophaNEWS: Wie würden Sie denn Schülerinnen und Schülern Ihren Alltag als Bundestagsabgeordnete beschreiben?
Frau Dröge: Ich glaube, das Auffälligste ist, dass ich in zwei Städten lebe. Ich lebe zur Hälfte in Berlin und zur Hälfte in Köln und in Berlin gibt der Bundestag alles vor, wann ich wo sein muss – und wenn ich im Zweifel nicht da bin, muss ich Strafe zahlen. Und in Köln sagt mir niemand, was ich machen muss. Ich will aber mit Leuten ins Gespräch kommen, und das erfordert ganz viel Kreativität und Initiative, die Leute überhaupt zu treffen. Das ist so das Größte, und das Zweite ist vielleicht: Als Bundestagsabgeordnete hab ich eine wahnsinnige Chance, mit ganz ganz vielen Leuten zu reden, weil, wenn ich sage, ich möchte reden, dann sagen die meisten „okay“, selbst wenn sie mich nicht gut finden. Und dadurch kriege ich ganz viele Perspektiven über das Leben in Deutschland, die ich selber nicht hätte, wenn ich nur aus mir selbst heraus beurteilen würde.
theophaNEWS: Das haben sie gerade schon ein bisschen angerissen, aber wie ist denn Ihr Arbeitsleben in Berlin mit Ihrem Privatleben in Köln vereinbar? Ist es schwierig, immer hin und her zu pendeln? Wie viel Zeit verbringen Sie in Berlin, wie viel in Köln?
Frau Dröge: Ich verbringe mittlerweile mehr als die Hälfte des Jahres in Berlin. Früher war das so: zwei Wochen Berlin, zwei Wochen Köln, eine Woche Berlin, eine Woche Köln, so immer hin und her. Jetzt als Fraktionsvorsitzende muss ich deutlich mehr in Berlin sein, aber die meisten meiner Kollegen machen das so. Das ist für das Privatleben überhaupt nicht leicht, weil Freunde ja beispielsweise akzeptieren müssen, wenn man sich mit mir verabreden will, dann heißt es: „Ich kann dir in drei Monaten sagen, wann ich Zeit habe.“ Und meine Freunde haben früher immer gesagt: „Ja gut, aber da weiß ich ja nicht, ob ich da kann.“
Das heißt, zwei Kleiderschränke, das heißt, immer alles packen, das heißt, zwei Wohnungen. Das ist eine Herausforderung, aber ich hatte zum Glück immer sehr verständnisvolle Freunde, die das mitgemacht haben.
theophaNEWS: Dann eine etwas allgemeinere Frage: Wie werden die Grünen ihre Rolle in der Opposition nutzen? Was sind da so Ihre Ansprüche, welche Ziele wollen Sie erreichen?
Frau Dröge: Das Wichtigste für mich ist, für das Thema Klimaschutz zu kämpfen, weil ich den Eindruck habe, dass CDU und SPD das einfach gar nicht voranbringen wollen, sondern im schlimmsten Fall sogar Klimaschutz wieder abbauen. Und das betrachte ich wirklich als meinen Job, dass wir so viel Druck über die Opposition mit der Zivilgesellschaft machen, dass wir sie davon abhalten, das zu tun. Das ist eigentlich meine allerwichtigste Aufgabe, und das Zweite ist das Thema Gerechtigkeit; Das erlebe ich jetzt gerade auch, dass die Bundesregierung Steuern senkt für die Reichsten und Friedrich Merz gleichzeitig sagt, die Ärmsten müssten sparen – ich würde es gerne umgekehrt machen.
theophaNEWS: Können Sie denn auch eine positive Sache nennen, die die Merz-Regierung bis jetzt auf den Weg gebracht hat?
Frau Dröge: Dass wir gemeinsam die Schuldenbremse reformiert haben – nicht vollständig, aber zum großen Teil. Dafür habe ich ewig politisch gekämpft und dass das geklappt hat, das finde ich großartig.
theophaNEWS: Das haben Sie jetzt auch quasi schon gesagt, aber was wäre eine Sache, wo Sie sagen, das muss auf jeden Fall noch passieren, da führt kein Weg dran vorbei?
Frau Dröge: Den Ausbau der erneuerbaren Energien voranzubringen.
theophaNEWS: Danke! Danke, dass Sie sich die Zeit genommen haben.